Unser Gerd

Auch mit 77 auf Vollgas gepolt - Bericht der Werra-Rundschau vom 18.8.2026

Foto: Harald Triller

Auch mit 77 auf Vollgas gepolt
Gerd Neusüß ist beim MSC Waldkappel-Breitau eine Koryphäe

Sontra – Laut dringt aus der großen Lagerhalle die Feststellung nach draußen, dass der dort platzierte Kühlschrank nicht funktioniert, der für die Motocross-Veranstaltung benötigt wird, die der MSC Waldkappel-Breitau am Wochenende zum wiederholten Mal auf der Strecke am Husarenring in Sontra ausgerichtet hat. „Ich komme gleich und schaue nach“, antwortet Gerd Neusüß, der auch mit seinen 77 Jahren noch immer auf Vollgas gepolt ist und seit der Fusion der beiden heimischen Motorsportclubs im Jahr 2010 dem Vorstand angehört.

■ Der Sportkommissar

Sein Bruder Axel hat ihn animiert. „Obwohl ich mit Motorradwettkämpfen nichts im Sinne hatte – ich bin auch bis heute noch nie bei einem Rennen gestartet –, hat mich dieser Sport eingefangen. So gehörte ich bei der Gründungsversammlung des MSC Breitau 1977 zu den ersten 30 Mitgliedern“, gibt Gerd Neusüß zu verstehen, dass er nur ein Jahr später das Amt des Sportkommissars übernommen hat und für die Organisation, Umsetzung und den reibungslosen Ablauf des ersten Motocrossevents verantwortlich zeichnete, als der Motor-Sport-Ring (MSR) zum ersten Mal in Breitau gastierte.

„Wenn wir am letzten Wochenende rund 350 Fahrer zu Gast am Husarenring hatten, dann kann ich voller Stolz sagen, dass wir damals, Ende der Siebzigerjahre, auch schon 300 sportbegeisterte Motorradfreunde in unserem beschaulichen Sontraer Stadtteil zählten, die nicht nur eine gut präparierte Strecke, sondern auch die nötige Verpflegung von uns erwarteten“, erinnert sich der 77-Jährige, dass die einzuhaltenden Richtlinien auch seinerzeit bereits hohe Anforderungen stellten, wenn auch nicht vergleichbar mit der Intensität von heute.

■ Der Zeitmesser

Nach acht Jahren als Sportkommissar wechselte Gerd Neusüß in den Bereich der Zeitmessung. Auch hier stellt er einen Vergleich an. „Heute tragen die Fahrer einen Transponder am Arm, der alle Daten bei einem Rennen direkt in den Ergebniscomputer überträgt und die Platzierungen sofort katalogisiert. Früher mussten wir die Zeiten jedes einzelnen Fahrers handverlesen notieren und das Klassement in den entsprechenden Tabellen auswerten“, sagt Gerd Neusüß schmunzelnd, „dass am Abend des Renntages der Arm oftmals vom Schreiben extrem dick gewesen ist.“

Durch die Erfahrung, die er beim MSC Breitau gesammelt hatte, war Gerd Neusüß auch ein gefragter Zeitnehmer. Neben besagtem MSR nämlich auch beim DAMCV (Deutscher Amateur Motocross-Verband), bei dessen Rennen die Teilnehmer für die International Motocross Bike Association (IMBA) gesucht werden und die neben Deutschland in europäischen Nachbarländern wie Frankreich, Italien, Holland, Belgien und der Schweiz starten dürfen. Auch dort immer dabei: Zeitmesser Gerd Neusüß aus Breitau, der in Langenhain geboren wurde, aber seit der Hochzeit mit Ehefrau Ingrid in Niederhone wohnt, wo er auch mit seinen fast 78 Jahren sein Fachgeschäft für Haustechnik noch immer selbstständig führt, wenn er nicht, wie aktuell, seine Freizeit dem MSC auf dem Husarenring widmet.

■ Der Betreuer

In den vielen Jahren, die Gerd Neusüß dem Motorsport geschenkt hat, war er parallel auch Betreuer von Fahrern aus ganz Deutschland. Die Fusion mit dem MSC Waldkappel hat für den noch 77-Jährigen eigentlich keine Veränderung ergeben. Während nun die Endurofahrer dazugekommen sind, für die Andreas Hassenpflug die sportliche Leitung übernommen hat, ist Gerd Neusüß auch hier sportlicher Leiter für das Motocross-Team geblieben.

Schon 14 Tage vor dem ersten Startschuss der neuerlichen Renntage vom Motor-Sport-Ring musste das Gelände am Husarenring auf Vordermann gebracht werden. „Wir sind anfangs leider nicht viel mehr als eine Handvoll an ehrenamtlichen Kämpfern, später, wenn die Arbeiten nahezu verrichtet sind, wird der Kreis immer größer“, bedauert Gerd Neusüß, möchte sich aber nicht beklagen, denn: „Wer A sagt, so wie ich es getan habe, der muss auch B erledigen, so wie ich es tue“, sagt er lächelnd.

Augenblicklich war die Hauptaufgabe, die Strecke zu präparieren: „Das ist für uns der wichtigste der vielen Teilbereiche“, erklärt der sportliche Leiter, dass auch sein handwerkliches Geschick häufig von Nöten ist, „weil bei einigen von unseren Anlagen auch immer wieder Reparaturen zum Tagesgeschäft gehören.“

■ Der Wertgeschätzte

„Wenn unser Gerd seine Baseballkappe auf dem Kopf hat, dann ist er auf den Husarenring eingestimmt und ein ganz anderer Mensch als im alltäglichen Leben. Hier oben am Berg über Sontra steht ganz allein der Motorsport im Zentrum seiner Aufmerksamkeit.“ Diese wertschätzenden Worte adressierte Peter Überschär, der seit der Fusion beim MSC Waldkappel-Breitau nun schon seit 16 Jahren als Vorsitzender an der Spitze steht.

Gerd Neusüß, der sich bei seiner Ehefrau Ingrid ganz herzlich bedankt, weil sie ihm über die lange Zeit stets den Rücken für seine Ehrenämter freigehalten hat, gönnte sich und seiner Liebsten in seiner verbleibenden Freizeit gerne auch mal die ein oder andere Urlaubsreise, wobei Kroatien in südlicher Richtung zu den Zielen gehört, und wenn der Norden ruft, dann mag das Paar das Land der Fjorde und Lachse.

Zukunftsvisionen stellt er hinten an, denn für ihn, der im Oktober 78 Jahre alt wird, steht fest, dass er in Bälde in den organisatorischen Ruhestand gehen und seine vielschichtigen Aufgaben in jüngere Hände legen möchte. „Und die mir folgenden jüngeren Mitglieder sollten meiner Meinung nach den Blick stets nach vorn richten und unsere wunderbare Motorsportwelt reicher machen“, so der umtriebige Vereinsmanager.
Ein Bericht von HARALD TRILLER in der WR am 18.08.2026

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